Akten des Kloster Marienstuhl wurden an kath. Pfarrarchiv übergeben
Als der ehemalige Vikar der katholischen Gemeinde Egeln- Marienstuhl Franz Schrader 1956 seine Doktorarbeit über das Kloster Marienstuhl schrieb, konnte er nur auf die im Pfarr- und Bistumsarchiv vorhandenen Akten sowie Urkundenbücher und Abschriften aus den Archiven des Landes, die der Egelner Pastor Adolf Engeln um 1880 anfertigte, zurückgreifen. Das umfangreiche Original Archiv des Klosters, das mit dem Kauf des Klostergutes durch die Braunschweig Herzogliche Klosterkammer (Braunschweig Stiftung) nach Wolfenbüttel kam und sieben laufende Meter umfasst, war bis dahin ungesichtet und für ihn nicht zugänglich. Als man Anfang des 20.Jahrhundert den Dachboden der alten Probstei (Herrenhaus) säuberte, wurden dort auch Akten aus der Klosterzeit gefunden. Diese wurden auch weiterhin in der Probstei aufbewahrt, wo sie Franz Schrader für seine Doktorarbeit einsehen konnte. Er fertigte auch von jeder Akte ein Inhaltsverzeichnis an. In 1980er Jahren kam es abermals zu einer Säuberungsaktion des Dachboden der Probstei, die nun Verwaltungsgebäude des VEG Marienstuhl war, wobei die dort liegenden alten Akten herunter geräumt und zur Vernichtung nach Halberstadt kommen sollten. Da an dem geplanten Tag der Papierschredder in Halberstadt defekt war, kam der LKW Fahrer des VEG mit der Ladung wieder nach Egeln zurück und stellte das Fahrzeug im ehemaligen Park des Klosterhofes ab. Der Egelner Karl Heinz Steingrüber, der an diesem Nachmittag mit einer Feierabendbrigade die Klostermauer an der Tarthuner Straße reparierte, beobachtete dieses. Karl Heinz Steingrüber der schon damals geschichtlich interessiert war, stöberte in den Aktenbergen umher. Dabei entdeckte Steingrüber neben vielen Verwaltungsakten aus der Domänenzeit des Klosters auch 25 Akten und einige lose Blätter, die noch aus der Zeit vor 1800 stammten. Dabei handelte es unter anderem um Klosternachrichten, Rechtsstreitigkeiten über Klosterland, die Mühlen an der Bode oder Briefwechsel mit dem preußischen König und anderen Klöstern. Eine Akte die aus dem 16. Jahrhundert stammt ist jedoch besonders interessant. Der damalige Klosterschreiber berichtet darin über die Neuerrichtung des umgefallenen Galgens in Egeln, „was an Heergewette und Geradezu entrichten sei“ und die Bestellung eines Müllers in Egeln. Ebenso sind darin die Eide der Egelner Richter, Schöppen, Schneider, Schuster und Bierbrauer enthalten. Nachdem Steingrüber den damaligen Gutsdirektor Klaus Baier darüber informierte, bat er darum das Karl Heinz Steingrüber die Akten sichern und ohne großes Aufsehen an Pfarrer Kruse übergeben sollte. Pfr. Kruse, vertraute die Akten aus Sicherheitsgründen dann dem Ortschronisten Hans Grube an, der sie nach der Wende in das historische Stadtarchiv im Museum der Wasserburg eingliederte. Dort wurden sie auch von den Mitgliedern des Egelner Heimatverein eingesehen, die einige interessante Passagen in den Jahresschriften des Vereins veröffentlichten. Als Pfarrer Erwin Willner anlässlich des 750jährigen Klosterjubiläum die Einrichtung eines Klostermuseum plante, gehörten zu den ersten Ausstellungsstücken auch einige der alten Klosterakten aus dem Stadtarchiv. Da es jedoch damals noch keine Sicherheitsvitrinen dafür gab, kamen sie nach einiger Zeit wieder in das Stadtarchiv zurück. In den letzten Jahren wurde das katholische Pfarrarchiv durch die Bürgerarbeiterin Petra Duballa gesichtet und neu geordnet. Mehrfach nahm sie auch Einsicht in die Klosterakten im Museum. Da darin viele Dinge enthalten sind, die die Verhältnisse des Klosters insbesondere im 18. Jh. darstellen, bat man den Egelner Bürgermeister das die Akten wieder an die katholische Kirche übergeben werden sollen. Am 3. Dezember unterzeichneten der Egelner Bürgermeister Reinhard Luckner und der Vikar Berno Wendt den Übergabevertrag. Darin ist aber auch eine Klausel enthalten, das die Stadt eine digitale Kopie der wichtigsten Akte bekommt und die kath. Kirche eine Kopie der von Engeln angefertigten Abschriften von Klosterurkunden erhält, damit das Original im Stadtarchiv verbleiben kann.